Wer bin ich? Körper in der Kunsthalle Düsseldorf

Tanz am Tropf? Figuren von Cajsa von Zeipel.

Verletzt: computergenerierte Frau in einem Video von Kate Cooper.

Kampf mit dem Internet: Digitalbild aus einer Serie von Nicole Ruggiero.

Kunsthalle: Rauminstallation mit Bildern von Christina Quarles.

Die Berliner Künstlerin Vika Kirchenbauer im Düsseldorfer Kunstverein.

Soso, Sie finden die Zwänge zur Erlangung von Gendergerechtigkeit und die Diskussion um diverse Identitäten schon jetzt ziemlich nervtötend? Sorry, das ist erst der Anfang. Ob wir es persönlich nun wünschen oder nicht, die Gesellschaft muss sich mit Themen auseinandersetzen, die lange Zeit von Männlein und Weiblein verdrängt wurden. Gregor Jansen, 56-jähriger Familienvater der herkömmlichen Art und Chef der Kunsthalle Düsseldorf, zeigt eine Ausstellung, bei der es um „Körperwahrnehmungen und -verständnisse im Kontext von Geschlechtsidentitäten und Selbstidentifikation“ geht: „Journey Through A Body“, Reise durch einen Körper.

Der Titel bezieht sich auf ein Album des britisch-amerikanischen Musikers und Performancekünstlers Genesis Breyer P-Orridge (1950-2020), der sich durch zahlreiche Operationen und Hormontherapien dem Aussehen und Geschlecht seiner Zweitgattin Lady Jaye anzugleichen versuchte und sich zuletzt als „gender-fluid“ bezeichnete. Das muss verdammt anstrengend und schmerzhaft gewesen sein. Zwei Silikonfiguren der schwedischen Bildhauerin Cajsa von Zeipel weisen darauf hin. Sie schweben im großen Saal an einer Stange wie beim Pole Dance, wirken wie disziplinierte Tänzer*innen, aber die Konstruktion ähnelt einem gigantischen Tropf, der Patienten mit Infusionen versorgt.

Der Leib löst sich auf

Gegenüber zeigt die kalifornische Malerin Christina Quarles, eine „multiethnische queere Cis-Frau“, auf einer großen Rauminstallation verschiedene Zeichnungen und Bilder von verdrehten und halb aufgelösten Leibern. In einer beeindruckenden Videoarbeit der Engländerin Kate Cooper kämpft eine computergenerierte Person mit aufblasbaren Körperformen und erleidet Verletzungen an Gesicht und Gliedmaßen – was wiederum an die quälerischen Vorgänge in der Schönheitschirurgie erinnert. Auf den digitalen Fotos der New Yorkerin Nicole Ruggiero nebenan schmust eine Frau mit ihrem Teddybär, und ein junger Mann kämpft mit Avataren. „How the internet changed my life“, wie das Internet mein Leben änderte, heißt die Serie.

Keine*r scheint sich wirklich wohl zu fühlen in der eigenen Haut. Ziemlich beunruhigt steigt man empor in die obere Etage, wo Luki von der Gracht, geschlechtlich verspielter, „nicht-binärer“ Absolvent der Düsseldorfer Akademie, eine kleine Bildergalerie zeigt. Ein Auge blickt uns aus einer Faltcollage an. Wer bin ich, was will ich sein? Die schwarze Amerikanerin mit dem Künstlernamen Tschabalala Self reflektiert die Frage mit einem Trickfilm, witzigen Collagen und einer tänzerischen Reihe von Plexiglas-Beinen mit Stöckelschuhen.

Spielfeld der Empfindungen

Neben der Tür hängen Puzzles mit zwei Leuten, die eine dritte Person mit der Zahnbürste kitzeln. Das sind Bilder einer Performance der Berliner Filmemacherin und Konzeptkünstlerin Vika Kirchenbauer, die sich unter anderem mit dem Recht auf Opazität, Undurchsichtigkeit, beschäftigt. Man kann auch sagen: Sie muss nicht verstanden werden. Eva Birkenstock, die im Herbst den Düsseldorfer Kunstverein verlässt, um Chefin des Aachener Ludwig Forums zu werden, hat wieder einmal eine radikale Position ausgesucht. Die Videos von Vika Kirchenbauer führen von filmischen Kindheitserinnerungen bis in einen Dark Room, wo ein freundlicher Moderator vorführt, was man nie sehen wollte.

Der Titel der Schau verstärkt die Irritation: „Feelings that move nowhere“, Gefühle, die sich nirgendwohin bewegen. Dabei ist das Gesamtarrangement ästhetisch geradezu betörend. Im Foyer sorgen Neonröhren mit violettem Licht für „Spectral Sensivity“, und im Saal des Kunstvereins dient ein prächtiger Teppichboden mit abstrakten Farbfeldern als Spielfeld („Playing Field“), das nur mit Schuhschonern betreten werden darf. Queere Kunst ist anstrengend, aber nie langweilig.

Zwei Ausstellungen, ein Thema

Während die Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, bis 1. August die Ausstellung „Journey Through A Body“ zeigt, präsentiert der Kunstverein im selben Haus etwas länger (bis 5. September) die Video- und Installationskunst von Vika Kirchenbauer: „Feelings that move nowhere“. Di. bis So. 11 bis 18 Uhr. Es gilt die Corona-Schutzverordnung. Zeitfenster können gebucht werden unter Tel. 0211 / 8996 240. www.kunsthalle-duesseldorf.de und www.kunstverein-duesseldorf.de

Nur Mut! Isa Genzken und Schlingensief

Erleuchtet: Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz im K20.

Künstlergeist: Christoph Schlingensief in einem Fernsehbericht.

Seltsame Begegnungen: Besuch in "Kaprow City".

Stiller Saal mit dem Frühwerk von Isa Genzken im K21.

Institutsleiterin Susanne Gaensheimer und die Puppen von Isa Genzken.

Ja, Freunde, es bleibt anstrengend: Zeitfenster, Abstand, Maskenzwang, Ermahnungen. Aber wir wollen doch mal hoffen, dass die ersten Öffnungen, die uns die Pandemie in Düsseldorf gestattet, nicht nur zum Shoppen und zum Biertrinken auf zugigen Terrassen genutzt werden. Man sollte sich auch vom Sofa erheben, um sich wieder einmal direkt mit der Kunst auseinanderzusetzen. Gerade, wenn es schwierige, unpopuläre Kunst ist wie die Installation „Kaprow City“ von Christoph Schlingensief im K20 und die verrückten Figuren der Isa Genzken im K21. Susanne Gaensheimer, die Chefin der Kunstsammlung NRW, fordert uns mal wieder heraus. Und das ist gut so.

Er war eigentlich ein braver Junge: Apothekersohn, geboren 1960 in Oberhausen, mit Inbrunst katholisch. Und er war ein netter Kerl, so ein sympathischer Wuschelkopf, Typ Muttis Liebling. Dennoch kannte er in seiner Kunst kein Tabu. Getrieben von immer neuen Ideen und einem seltsamen Offenbarungsdrang mischte Christoph Schlingensief überall mit. Als Filmer, Autor, Regisseur, bildender Künstler, Politclown und Master seiner Lebensshow. Er nervte das bürgerliche Publikum und durfte trotzdem in Bayreuth den „Parsifal“ inszenieren. Als er sehr krank wurde – Lungenkrebs – entwarf er eine „Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ mit seinen Röntgenbildern. Kurz vor seinem Tod im Sommer 2010 wollte er noch ein Operndorf in Burkina Faso bauen. Und nicht locker lassen.

Verwandlung eines Bühnenbilds

Posthum wurde Schlingensief 2011 zum Gestalter des Deutschen Pavillons der Biennale in Venedig. Kuratorin war damals Susanne Gaensheimer, die ihn nie vergessen hat. Unterstützt von seiner Witwe und Gralshüterin Aino Laberenz präsentiert sie jetzt im K20 eine Installation, die eigentlich Kulisse war für ein theatralisches Happening, das Schlingensief 2006 an der Volksbühne Berlin inszeniert hatte. „Kaprow City“ hieß es nach dem amerikanischen Happening-Pionier Allan Kaprow. Auf einer Drehbühne ging es damals unter anderem um gemischte Befindlichkeiten und den Tod von Lady Di, dargestellt vom Boulevard-Starlet Jenny Elvers-Elbertzhagen. Aber, so betont die Witwe: „Das muss nicht komplett erklärt werden.“

Schlingensief selbst bewahrte die wild bemalten und beschrifteten Bretterbüdchen des Bühnenbilds, um das Ganze in eine lautlose, durch Filmprojektionen wild bewegte Installation umzuwandeln, die 2007 im Züricher Migros Museum ausgestellt und nun sorgfältig in Düsseldorf wiederaufgebaut wurde. „Kein Zuschauer sieht alles“, bemerkte der Künstler damals in einem Schweizer Fernsehbeitrag. Aber jeder Zuschauer sieht genug auf diesem Abenteuerspielplatz einer getriebenen Seele: Totenköpfe und Pimmelmänner, eine abstruse Kreuzigungs-Performance mit behinderten Mitwirkenden, Schmalfilm-Kindheitserinnerungen, abgeschrammten Tafeln und Türen, über und über bekritzelt mit intimen Auskünften wie: „Am liebsten schlafe ich mit mir selbst.“

Am Übervater abgearbeitet

Was so improvisiert wirkt, war, wie Aino Laberenz versichert, „sehr genau“ ausgedacht. Und passt durchaus zu den „Kosmopolitischen Übungen mit Joseph Beuys“ in der großen Halle gegenüber. Wie für Beuys existierte für Schlingensief keine Grenze zwischen Alltag, Kunst und politischem Handeln. Er gab sich ganz dem Lebens-Werk hin und hat sich, so Susanne Gaensheimer, auf seine Art am „Übervater“ Beuys „abgearbeitet“.

Die Bildhauerin Isa Genzken, geboren 1948 als Hamburger Arzttochter, gehört zu einer Generation, die sich im männlich dominierten Kunstbetrieb an vielen Übervätern abarbeiten musste. Sie heiratete 1982 den Professor, deren Meisterschülerin an der Düsseldorfer Akademie sie in den 1970er-Jahren gewesen war: Gerhard Richter. Vielleicht war es gerade die tiefe Krise nach der Scheidung 1993, die ihr eigenes Profil schärfte. Nach großen Auftritten bei der Biennale in Venedig, wo sie den Deutschen Pavillon 2007 in eine irrwitzige Baustelle verwandelte, und im New Yorker MoMA, wo man sie 2013 mit einer Retrospektive ehrte, gehört sie zu den internationalen Starkünstler*innen der Gegenwart.

Die Waffen der Studentin

Wie Isa Genzken begann und wohin die Freiheit sie führte, kann man jetzt in einer Doppelausstellung im modernen Haus der Kunstsammlung NRW, dem K21, sehen. Im Souterrain dehnt sich die Vergangenheit in Form von gelochtem Endlospapier, auf dem die Studentin Genzken ihren Halt entlang schwankender Linien suchte. Sie probierte sich aus – in feinen, nervösen Skizzen ebenso wie in einer unscharf dokumentierten, für sie eher untypischen Entkleidungs-Performance. Und sie fand zumindest formale Ruhe in der Abstraktion. Die aus dem Baseler Kunstmuseum übernommene Ausstellung des Frühwerks zeigt einige konstruktive grafische Serien und bemerkenswerte Skulpturen, die auf dem Boden liegen: stabartige, etwa sechs Meter lange Gebilde aus Holz, handwerklich geschnitten und makellos lackiert. Sie haben entweder trichterförmige Enden, dann heißen sie Hyperbolos, oder laufen beidseitig spitz zu, als Ellipsoide.

Wie Susanne Gaensheimer erzählt, wurden Isa Genzkens perfekte bildhauerische Werke von männlichen Kollegen als „Haarnadeln“ verspottet. Dabei wirken sie eher wie die Lanzen einer Kunstkriegerin, die sich Abstand und Respekt verschaffen will. In reifen Jahren sind diese Objekte verschwunden. Isa Genzken hat sich, so Gaensheimer, „immer wieder ganz neu erfunden“. Das Alterswerk, zu sehen in der Bel Ètage des K21, wirkt tatsächlich jünger. Viel jünger. Man könnte manchmal sogar meinen, ein Kunst-Leistungskurs mit begabten Teenagern hätte sich da ausprobiert.

Rätselhafte Aufstellung

Denn Isa Genzken arbeitet vorzugsweise mit Schaufensterpuppen, die sie „Schauspieler“ nennt und wild mit Klamotten und Requisiten ausstattet. Dabei geht es natürlich nicht um Mode, sondern um Irritation. Am „Film Set“ von 2015 verrenkt sich eine Bande mit bunten Perücken und Leuchtwesten. „Ohne Titel“ stehen vier große Glatzköpfe und eine Kinderpuppe im Kreis mit emporgereckten Armen und nackten Beinen. Sie tragen zerschnittene Hemden, wurden still malträtiert mit Schlauch, Kabelbindern, Schlafmasken, jecken Hüten, verschleiert mit Folien, bespickt mit rätselhaften Zetteln. Was machen die da bloß? Jubeln? Um Hilfe rufen? Man weiß es nicht.

Eine Revue der Verunsicherung hat Isa Genzken mit ihren Puppen inszeniert – jeder könnte da mitspielen. Aber Susanne Gaensheimer legt großen Wert auf die Feststellung, dass der improvisierte Eindruck trügt. Jedes Detail der Verkleidung, jede Stellung eines Plastikgelenks, jede Blickrichtung sei genau konzipiert – „sehr präzise“. Das gilt auch für die Collagen von selbstklebenden Absperrbändern auf Alu-Platten, die in der Tat eine kraftvolle Präsenz haben. Und es gilt für die Installation „Poverty“, 2009 entworfen. Ein paar schäbige Decken, unter denen kaum wahrnehmbare Gestalten zu ahnen sind, eine kollabierende Zeltplane, ein paar Münzen am Boden – das Elend, an dem wir zu oft vorübergehen.

Was, wann und wo?

Die Kunstsammlung NRW zeigt „Christoph Schlingensief: Kaprow City“ bis 17. Oktober im K20 am Grabbeplatz. Im K21, Ständehausstr. 1, gibt es bis 5. September zwei Ausstellungen über Isa Genzken – „Werke von 1973 bis 1983“ im Souterrain sowie „Hier und Jetzt“ in der Bel Étage. Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10 bis 18 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen 11 bis 18 Uhr. Der Shuttle-Service zwischen den beiden Häusern wurde wegen Corona eingestellt. Besucher brauchen derzeit keinen negativen Corona-Test, müssen aber eine medizinische Maske tragen und ein Zeitfenster buchen. www.kunstsammlung.de

100 Jahre Beuys: Der berühmte Unbekannte

Erinnerung: Der Journalist Joachim Umbach interviewt Beuys im Mai 1981.

Wie ein Geist erscheint Beuys im Dokumentarfilm "Celtic+" 1971.

Kleidung als Skulptur: Kuratorin Vanessa Sondermann am "Filzanzug".

Kreuzbronzen des Mataré-Schülers Beuys um 1950 in der Akademie-Galerie.

Eigenes Beuys-Buch: Birgit Kölgen und der "Bienenfleiß" (Galerie Wilmsen).

Könnte sein, dass manche schon die Augen verdrehen, wenn sie den Namen Beuys schon wieder hören oder lesen. Zur Feier seines 100. Geburtstages wurde dem vielleicht umstrittensten Meister der Nachkriegs-Avantgarde in diesem Jahr schon bis zum Überdruss gehuldigt. Allein in Nordrhein-Westfalen, dem Stammland des Meisters, widmen sich 20 Museen und andere Kulturinstitutionen dem Denken und Schaffen des Joseph Beuys – obgleich die Ausstellungen der Corona-Krise wegen bisher kaum gesehen werden. Und sogar der Heimatverein der Düsseldorfer Jonges, sonst eher ein brünnleinstiftender Männerclub mit konservativem Kunstgeschmack, stiftete eine Gedenktafel für die Fassade des Oberkasseler Hauses Drakeplatz 4, wo Beuys lebte, arbeitete und weltberühmt wurde.

So viel Gemeinschaftsgefühl – dabei war Joseph Beuys gar kein Düsseldorfer Jong, sondern einer vom Niederrhein. Geboren in Krefeld am 12. Mai 1921 als einziges Kind eines Mehl- und Futtermittelhändlers, wuchs „dat Jüppken“ in ländlicher Umgebung bei Kleve auf. Ein verschrobenes Bürschchen, das die Oberschule lustlos absolvierte und lieber mit dem Hirtenstab durch die Natur streifte, um Pflanzen, Insekten und anderes Getier zu sammeln. Für die Beute, tot oder lebendig, baute er zuhause Zelte und Labyrinthe, was man schon fast als Aktionskunst bezeichnen könnte. Aber es war eine andere Zeit, und der Knabe Beuys fühlte sich schwärmerisch zur Blut- und Bodenideologie der herrschenden Nazis hingezogen.

Die Sache mit der Flamme

Da gibt es nichts zu beschönigen. Wie so viele seiner Zeitgenossen war der junge Beuys ein begeisterter Hitlerjunge. 1936 marschierte er mit dem Klever HJ-„Bann“ zum Nürnberger Reichsparteitag. Auch als er, wie er später erzählte, mit 17 einen Lehmbruck-Katalog fand und darin sein Erweckungserlebnis als Künstler sah, ging das nicht ohne sonderbares Pathos ab. Die Abbildung einer Skulptur hätte zu ihm gesprochen: „Ich hörte: Schütze die Flamme!“ Die Flamme der Kunst und der Erkenntnis? Doch erst einmal loderte das Feuer des Krieges, in den der 20-Jährige 1941 freiwillig zog. Bei der Luftwaffe wurde er zum Bordschützen und Funker ausgebildet.

Der Absturz seines Kampfflugzeugs am 16. März 1944 über der Krim gehört zur allgemein bekannten Erzählung seines Lebens. Der Pilot war sofort tot, Beuys behauptete später, er wäre von nomadisierenden Tataren gefunden und eine magische Zeit lang im Zelt gepflegt, mit Fett gesalbt, mit Filz gewärmt worden. Das heiligte seine späteren Materialien. Doch es kann nicht ganz wahr sein. Denn der Verwundete wurde, wie Forscher herausfanden, schon am nächsten Tag ins Lazarett eingeliefert.

Von der Krise ins Glück

Wie dem auch sei – der Krieg mit seiner Schuld und seinem Schrecken hinterließ tiefe Spuren im Empfinden des treuen Soldaten Beuys. Es schien alles gut zu werden, als er 1946 an der Düsseldorfer Kunstakademie aufgenommen wurde und in der Klasse des Bildhauers Ewald Mataré zum fleißigen Meisterschüler avancierte. Eine wegen Corona bisher ungesehene Ausstellung in der Akademie-Galerie zeigt, wie tief verbunden er mit dem Professor war, dessen Liebe zur stilisierten Tierfigur er teilte und an dessen kirchlichen Aufträgen er leidenschaftlich mitarbeitete. Es entstanden berückende Zeichnungen und fromme Skulpturen. Doch nach Abschluss des Studiums rutschte Beuys in eine tiefe Krise und Depression, wovon er sich erst als Gast der Bauern-, Lehrer- und Sammlerfamilie van der Grinten erholte.

Ende der 1950er-Jahre stabilisierte sich das Leben des Joseph Beuys. Er fand die Frau seines Lebens, Eva, heiratete und zog mit ihr 1961 in eine Atelierwohnung in Düsseldorf-Oberkassel, Drakeplatz. „Beuys mit seinem Lederkoffer, ich mit einem kleinen Korb meiner Großmutter“, berichtet Eva Beuys später. Der Drakeplatz, blieb sein Fuchsbau, hier entwickelte er Theorien, empfing Besucher, ließ seine Kinder Wenzel (1961) und Jessyka (1964) zwischen Fettecken spielen. Kunst und Leben, das war für ihn kein Unterschied.

Der Professor als Provokateur

Der Zeitgeist wurde wilder, und als Joseph Beuys 1961 selbst einen Lehrstuhl für Bildhauerei an seiner alten Akademie bekam, war abzusehen, dass dieser Mann kein ordnungsgemäßer Professor sein würde. Beim „Festum Fluxorum Fluxus“ 1963 in der Aula wurde der Wahnsinn mit Methode und „Antimusik“ gefeiert, zur Eröffnung der Galerie von Alfred Schmela 1965 zeigte ein goldglänzender Beuys dem staunenden Publikum, „Wie man dem toten Hasen die Kunst erklärt“. Ab 1966 wurden in öffentlichen „Ringgesprächen“ in einer anschwellenden Jüngerschar krause Theorien diskutiert. Und da Beuys die Ansicht vertrat, dass jeder ernsthaft Schaffende ein Künstler wäre, schwoll seine Klasse gegen jede Regel auf Hunderte von Studenten an.

Eine Provokation – die im Oktober 1972 in der fristlosen Entlassung des Joseph Beuys aus dem Lehramt endete. Bis 1980 dauerte der Rechtsstreit, danach durfte Beuys sein verwaistes Atelier „Raum 3“ bis zum Pensionsalter wieder benutzen. Doch da war er längst ein Weltstar der Kunst, spätestens, seit der bärenhafte Schüler und Gefährte Anatol 1973 ihn in einem selbstgeschnitzten Einbaum von Oberkassel quer über den Rhein gepaddelt hatte. „Die Heimholung des Joseph Beuys“ war ein Medienereignis.

Auch Politik kann eine Kunst sein

Fortan kannte und erkannte jedes Kind in Düsseldorf den hageren Kunsthäuptling Beuys bei seinen Auftritten mit Filzhut und Anglerweste. Gewiss, es wurde viel gespottet – zum Beispiel über die mit Pflastern und Fett verklebte Objekt-Wanne, die 1973 bei einer Feier des SPD-Ortsvereins im Schloss Morsbroich blankgeputzt und zum Gläserspülen benutzt worden war. Doch niemand ignorierte Beuys, es wurde diskutiert und gestritten, was ihm ganz recht war. Vom zurückgezogenen Künstlerleben hielt er nichts. Er wollte inspirieren und motivieren. Seine berühmte „Honigpumpe“, die er auf der Documenta in Kassel 1977 installieren ließ, diente ihm als Bühnenbild für 100 Tage Diskussion einer „Free University“, seiner Freien Internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung“.

Alles war Kunst für ihn – auch die Politik: 1979 gehörte Beuys zu den EU-Kandidaten der Grünen, ein Kumpel von Petra Kelly. Anfang 1980 war er beim Gründungsparteitag dabei und erst, als er beim Bundestagswahlkampf 1983 keinen der vorderen Listenplätze bekam, zog er sich gekränkt zurück. Beuys war ein Anführer, kein Teamplayer. Unterstützt von einer Schar meist männlicher Adoranten arbeitete er wie besessen an Installationen und Konzepten. 1979 traf er in der Galerie von Hans Mayer auf US-Star Andy Warhol, der ihn poppig porträtierte. Die Schickeria war entflammt. Der Wert Beuys’scher Werke wuchs in sechsstellige Bereiche, damals ungeheuerlich. Das Guggenheim-Museum in New York ehrte den Denker vom Rhein 1980 mit einer Einzelausstellung.

Als er 1982 auf der Documenta die langjährige Aktion „7000 Eichen“ mit alten Basaltsteinen und jungen Bäumen startete, beeindruckte Joseph Beuys auch seine beharrlichsten Kritiker. Sein Ruhm wuchs, seine Gesundheit litt. Lunge und Herz machten nicht mehr mit. Kurz nach Verleihung des Lehmbruck-Preises starb der Jong vom Niederrhein am 23. Januar 1986 in seinem Düsseldorfer Atelier.

Auf den Spuren von Beuys 

Sollten die Inzidenz-Zahlen es erlauben, können in Düsseldorf zwei fertige Beuys-Ausstellungen besucht werden. Noch bis 15. August gibt es im K20 am Grabbeplatz „Kosmopolitische Übungen mit Joseph Beuys“ unter dem Titel: „Jeder Mensch ist ein Künstler“. In der Akademie-Galerie am Burgplatz 1 zeigt Vanessa Sondermann noch bis zum 20. Juni eine sensible und aufschlussreiche Schau über „Mataré+Beuys+Immendorff – Begegnungen der Werke von Lehrer und Schüler“. Viele Zeichnungen des jüngeren Beuys und Fotografien aus seiner Wirkungszeit sind dort zu sehen. Beide Institute bieten Publikationen zu ihren Ausstellungen an. Informationen über mögliche Öffnungen und die Corona-Regeln unter www.kunstsammlung.de und www.kunstakademie-duesseldorf.de

Und noch ein Buchtipp in eigener Sache:

Aloys Wilmsen (Herausgeber): „Bienenfleiß - Joseph Beuys und die Honigpumpe aus dem Allgäu auf der Documenta 6, 1977“, mit Texten von Birgit Kölgen, Peter Schata, Raimer Jochims und Aloys Wilmsen. Verlag Galerie Wilmsen, Rheineck (Schweiz). 191 Seiten, gebunden, 27,00 Euro. Erhältlich u. a. über die Buchhandlung Walther König.

NRW-Forum: Im Freibad der Gedanken

„Eine unbeschwerte Zeit“ verspricht eine Wandmalerei von Mats Kubiak.

Was man aus Schwimmflügeln alles machen kann, zeigen Design-Studenten.

„Rheiner Senf and the flying fries“ ist ein Werk der Streetart-Gruppe KJ263.

Animierte Figuren am „Paper Pool“ von Annette Jacobs.

Kindliche Kunst: Bilderkästchen der Klasse 1c der Bonifatiusschule.

Es hat etwas Rührendes, wie in den geschlossenen Kunsthäusern nach wie vor Ausstellungen wie geplant aufgebaut und im Geiste eröffnet werden. Aber die Chancen stehen ja nicht schlecht, dass man bald – maskiert, geimpft oder getestet – wieder ein bisschen Kultur genießen darf. Viel Spaß macht es, im NRW-Forum allerlei Fantasievolles zum Thema „Freibad“ anzuschauen und gegenüber „Die Kleine“ mit entzückenden Werken aus dem diesjährigen Kunstwettbewerb Düsseldorfer Grundschulen zum Thema „Erde, Wasser, Feuer und Luft“.

Dann gehen wir erst mal nach rechts ins Freibad der Träume. Der 29-jährige Designer Lukas Philipp Schulz hat an der Hochschule Düsseldorf studiert, die gut gelaunte Show im Rahmen seiner Abschlussarbeit konzipiert und mit 32 Kollegen und Studios inszeniert. Zufällig passte das genau ins junge Konzept des NRW-Forums. „Eine unbeschwerte Zeit“ verspricht eine große Schrift auf Rot-Gelb-Blau, die Mats Kubiak wie ein Motto an die Wand gemalt hat. Das weckt Erinnerungen. Und damit das sommerliche Feeling richtig rüberkommt, hat Kurator Schulz („Ich bin Lukas!“) alle Vitrinen mit dem typischen weißen Kachelmuster der Duschkabinen ausgestattet.

Ideen von Freischwimmern

Während die Street-Art-Gruppe KJ263 einen großen lustigen Stoffkerl am Rand des Pools ausrutschen lässt und seine davonfliegenden Pommes zum Mobile werden („Rheiner Senf and the flying fries“) lässt Malte van der Meyden eine Kugelleine aus Wachs und Dochten in einem kleinen Becken schwimmen, und die Studierenden der Klasse „New Craft Object Design“ zeigen, dass man aus abgelegten Schwimmflügelchen überaus originellen Schmuck und einen wasserfesten Sonnenhut gestalten kann. Schon schmunzelt der Mensch – und freut sich über weitere originelle Ideen wie die fröhlichen „Freischwimmerinnen“ aus bemaltem Alu (Anke Jüngels) und die Poolliege aus Schwimmnudeln im Terrain des Kollektivs „Teilmöbliert“.

Wasserblau leuchtet eine „Rutsche“ als Objekt aus Holz und Neonröhren (Winkler/Dickhaus/Stenmans). Anna und Rakhim Helm präsentieren digital optimierte Badenixen in surrealer Umgebung („no pool – no problem“). Viel Teamwork ist dabei, aber auch Einzelprojekte wie der farbenglühende Trickfilm „Freibadtag“ von Kilian van de Water, ein Triptychon aus blauen Tintenwellenbildern von Michèle Caspers und die Installation „Playground“, für die Marian Fitz auf einem Stück Sandstrand ein paar rot-pinkfarbene Badetücher aufgehängt hat. Witzig sind auch einige Animationen wie die lebendig gewordenen Schwimmnudeln von Pauline Gebauer oder die aus Papier geschnittenen Trickfiguren von Annette Jacobs, die man mit dem Smartphone über einen QR-Code vom „Paper Pool“ auf die Kunstwiese holen kann.

Kinder machen Kunst

Eine große Freude ist auch „Die Kleine“ links vom Eingang. Trotz Corona, Schulschließungen und Stress mit dem Homeschooling haben sich immerhin noch 24 von 50 angemeldeten Klassen an dem von den Stadtwerken und der NRW.Bank geförderten Wettbewerb beteiligt. Schließlich winkt als erster Preis ein Gutschein über 1500 Euro für die Anschaffung digitaler Endgeräte sowie Kunstmaterial. Das Publikum, zunächst nur virtuell dabei, soll abstimmen. Nicht ganz leicht, denn alles hat seinen Charme – von den kleinen Bilderkästchen voller Feuer, Erde, Wasser und Luft, die Klassenlehrerin Katharina Pascher von der 1c der Bonifatiusschule zu einem Relief zusammengestellt hat, bis zu den Kopfcollagen nach Art des alten Meisters Giuseppe Arcimboldo, die in der Klasse 4b der GGS Lörick gezaubert wurden.

Liebevoll haben die 2b-Kinder der Mauritius-Schule kleine Szenen in Schuhkartons gebastelt, wo eine Atemmaske zum Fallschirm für ein lächelndes Männlein wird. Andere kleine Künstler*innen bastelten Wolken aus Drahtbügeln und Sonnen aus Papptellern. Einige haben mit ihren Lehrern an Konzepten gearbeitet, die auch für erwachsene Öko-Kunst gehalten werden könnten – die Gläser mit verschiedenen Wasserproben zum Beispiel, die von der „Erdmännchenklasse“ der Montessori-Schule Lindenstraße gesammelt wurden, oder die tolle Video-Collage von Zweitklässlern der Franz-Vaahsen-Schule. Da sieht man unter anderem, wie Wasser die Farbe von Smarties auflöst und was der Wind so alles verweht. Hoffentlich auch bald die Corona-Viren ...

Was, wann und wie?

Im NRW-Forum am Ehrenhof 4-5, das jetzt zum Museum Kunstpalast gehört, wird bis 30. Mai die Kinderkunstausstellung „Die Kleine“ gezeigt. Einen virtuellen Überblick gibt es ab 8. Mai auf der Website (www.kunstpalast.de). Gleichzeitig zeigen 32 Düsseldorfer Designer*innen eine multimediale Schau zum Thema „Freibad“. Sollte die Inzidenz-Zahl in Düsseldorf unter 100 sinken, könnte ein echter Besuch möglich sein. Informationen unter www.nrw-forum.de Dies ist ein Absatz. Klicken Sie hier, um Ihren eigenen Text einzugeben. Erzählen Sie hier Ihre Geschichte und verraten Sie Ihren Besuchern etwas mehr über sich.

Kunst der Realität: Silke Schönfeld im KIT

Kunst im Tunnel: ein besonderes Erlebnis unter der Rheinpromenade.

Aber bitte mit Maske: Künstlerin Silke Schönfeld am Film "Mainacht".

Im Inneren des Tunnels: die „Mönchszüge“ auf dem Berg Oybin.

Hinten im letzten Winkel des KIT boxt sich ein junges Mädchen durch.

Hoffen kann man ja mal. Dass die Düsseldorfer „Kunst im Tunnel“ (KIT) am Mannesmannsufer bald wieder zugänglich sein wird und die Filme von Silke Schönfeld nicht ungesehen bleiben. Denn sie haben Zeit und Aufmerksamkeit verdient – „Über alles vernünftige Maß hinaus“, wie der Ausstellungstitel aus einer 1956 gehaltenen Rede des Düsseldorfer Kunstvereinsdirektors Hildebrand Gurlitt zitiert. Eigentlich möchte man stundenlang da unten bleiben, im Dunklen und Stillen unter der Rheinpromenade, wo bewegte Bilder besondere Geschichten vom Menschen erzählen.

Wer die große Treppe hinabsteigt, sieht zunächst eine reduzierte Arbeit: ein durch trübes Glas und Folien versperrtes Fenster, das nur gelegentlich einen Blick auf die Welt da draußen freigibt: „Rhetorics of The Unknown“ ist Silke Schönfelds Reaktion auf das Lockdown-Gefühl während der Pandemie, die uns alle in den Hausarrest gesteckt hat. Normalerweise kommt die 1988 geborene Akademieabsolventin und Pädagogin Silke Schönfeld den Menschen sehr nah mit ihrer Kamera und beobachtet sie aufmerksam, auf der Basis von Vertrauen, ohne Bewertung. Allerdings mit künstlerisch-konzeptueller Einordnung.

Bergheimat im Tunnel

So besuchte sie für die Werk-Serie „Invented Traditions“ (Erfundene Traditionen) den Verein „Berg Oybin“ in der Oberlausitz, wo ein Männerchor seit 1990 regelmäßig in den Sommermonaten historisch anmutende Mönchszüge veranstaltet. Die meisten Teilnehmer sind nicht einmal kirchlich gebunden, kleiden sich aber mit großer Feierlichkeit wie die Coelestinermönche, die bis 1547 im romantischen Kloster auf dem Berg Oybin lebten, wandern mit Fackeln und schmettern herzergreifende Lieder von Himmel und Bergheimat.

Auf einer Holzbank kann man die Herren in Ruhe beobachten und den Gesängen lauschen, ein grüner Samtvorhang sorgt für Waldesgefühl. Auf einem Monitor im Rücken allerdings wird die Heimeligkeit subtil in Unbehagen verwandelt. Denn in Oybin ist auch der rechtsradikale Verein „Ein Prozent e.V.“ ansässig. Silke Schönfeld lässt die Demagogen des Vereins bewusst nicht zu Wort kommen, sondern zeigt nur den Versammlungssaal mit seinen scheinheiligen Dekorationen und das Banner über dem Vereinshaus: „Patriotismus statt linker Gewalt“.

Träume sind verschieden

Schlüsse können die Besucher*innen selber ziehen. Anders als ein journalistisch arbeitender Dokumentarfilmer präsentiert Silke Schönfeld keine zielgerichteten Recherchen und Interviews. Sie beobachtet Phänomene. Eine weitere „Invented Tradition“ ist die „Mainacht“ im niederrheinischen Dorf Rurich, Kreis Heinsberg, wo junge Leute (vor Corona) mit ungeheurem Prunk, feinsten Ballroben und der launigen „Versteigerung“ lediger Mädchen an feuchtfröhliche Junggesellen ihren Traum von Glanz und Liebe feiern.

Und während die beteiligten Damen ihre Barbie-Kleider zurechtzupfen, enthält sich Silke Schönfeld in ihrem Film jeder Kritik. Genau wie im Fall der 16-jährigen Thai-Boxerin Aleyna Asya Akgün aus Dortmund, die sie auf Fahrten, beim Training und im Kampf filmisch begleitet hat. Man sieht die unterdrückten Tränen des Mädchens nach einer Verletzung, ihren Frust, als eine wichtige Gegnerin nicht antritt, ihren Trotz und ihre Tapferkeit, ihre Geduld und die schnoddrige Art, dem Risiko zu begegnen. Und wie von selbst wird der knapp halbstündige Film zu einem Lehrstück für diese Zeit, durch die wir uns boxen müssen.

Wann und wo?

Für die Kultur-Wunschliste: Sobald die Corona-Beschränkungen gelockert werden, kann die von Gertrud Peters kuratierte Ausstellung „Silke Schönfeld – Über alles vernünftige Maß hinaus“ im KIT am Mannesmannufer 1b besucht werden. Bis 18. Juli, Di.-So. 11 bis 18 Uhr. www.kunst-im-tunnel.de

K20: Widerstand üben

mit Joseph Beuys

Vorne guckt Beuys aus dem 1969 gedrehten Film von Lutz Mommartz.

Installation der Britin Phyllida Barlow: „STREET Untitled: banners“ von 2010.

„Professor bellt ins Mikrofon“: So berichtete der Express 1967 über Beuys.

Patti Smith, Punk-Sängerin und Poetin, bei einer Songperformance 2019.

Joseph Beuys erklärt die Honigpumpe, die er 1977 für die Documenta schuf.

Ach, Beuys, was hätte er wohl dazu gesagt? Zu Abstandsregeln, Maskenpflicht, Zeitfenstern und Zoom-Konferenzen? Hätte er das ausgehalten, der große Narr, der unermüdliche Kämpfer für eine befreite, verrückte Kunst, die sich seiner Ansicht nach im Leben selbst manifestieren sollte – als „Soziale Plastik“? Womöglich wäre der Kerl ja mit den Corona-Rebellen marschiert. Joseph Beuys (1921-1986) suchte und brauchte die Nähe der Menschen, trug seine esoterisch bewegten Botschaften unbeirrt in die Menge, pfiff auf den Segen der Obrigkeit. Der akademische Diskurs, der jetzt, im Jahr seines 100. Geburtstags, pflichtgemäß anschwillt, war für ihn viel weniger wichtig als der schlichte Satz: „Jeder Mensch ist ein Künstler“, der zum Titel für eine erstaunlich frische Schau im Düsseldorfer K20 wurde.

Es muss dem feministisch engagierten, super-genderkorrekten Team um Direktorin Susanne Gaensheimer geradezu wehtun, dass der Rheinländer Beuys nie von Künstler*innen sprach. Er war halt ein Macho der alten Schule, umgeben von vorwiegend männlichen Schülern und Jüngern, und wir Mädels aus der alten Frauenbewegung hatte noch andere Sorgen als Wortendungen. Das hat sich gründlich geändert, und deshalb nehmen Gaensheimer und die Kurator*innen Isabelle Malz, Catherine Nichols und Eugen Blume dem Beuys gegenüber „eine fragende und diskursive Haltung“ ein.

Schau mir in die Augen ...

Das heißt: Sie huldigen dem großen Manitou der Nachkriegs-Avantgarde nicht mit der üblichen Schau seiner Skizzen, Skulpturen und Installationen in Fett und Filz, wie es Gaensheimers Vorgängerin Marion Ackermann vor zehn Jahren getan hat. „Das könnten wir nicht toppen“, meint die Chefin. Stattdessen machen sie jetzt „Kosmopolitische Übungen mit Joseph Beuys“, reflektieren mit Aktionsfilmen „die performativen Potenziale seiner Kunst“ und präsentieren 34 neuere Positionen von Künstler*innen, die sich laut Kuratorin Malz gar nicht „explizit auf Beuys beziehen“. Aber sie treten mit dem Geist des Jubilars in einen, so heißt es, „vielschichtigen, transkulturellen Dialog“. Da kann man nur hoffen, dass das Publikum dieser schwierigen Beschwörung überhaupt noch folgen kann, bevor die Museen wegen steigender Inzidenz wieder geschlossen werden.

Vergessen ist Beuys nicht. Bis heute wissen zumindest ältere Düsseldorfer noch genau, wie er aussah, der hagere, aufrechte Mann, der seinen Filzhut wie eine Krone trug und die Akademie-Kollegen durch Missachtung des Aufnahmeverfahrens so lange reizte, bis der damalige NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau ihn 1972 vor die Tür setzte. Am Anfang der Schau kann man dem aufsässigen Professor erst mal lange in die strengen Augen sehen. Lutz Mommartz filmte 1969 über elf Minuten lang das Gesicht des Kunstrebellen, um der Idee „Soziale Plastik“ Nachdruck zu verleihen. Darüber steht an der Wand ein markantes Beuys-Zitat: „Jeder Mensch ... ist ein Künstler, ob er nun bei der Müllabfuhr ist, Krankenpfleger, Arzt, Ingenieur oder Landwirt. Da, wo er seine Fähigkeiten entfaltet, ist er Künstler.“

Der alte Held im Heute

Und so passt letztendlich alles Mögliche ins Beuys-Konzept: Nicht nur Kunst, auch Bürgerinitiativen, Talkshows, politisch-ökologische Veranstaltungen. Das Kuratorenteam hat viel gegrübelt, in aller Welt nach dem erweiterten Kunstbegriff gesucht und zahlreiche Videos sowie einige Objekte gefunden, die Ansichten und Aktionen aus der Laufbahn des Joseph Beuys auf eine aktuelle Art auffrischen – und mit moderner Technik ergänzen. Statt der üblichen Heiligenverehrung kommt hier zusammen, was ursprünglich nicht zusammen gehört, aber die Sache ein bisschen prickelnder und kontroverser macht.

Widerspruch oder Ärger sind durchaus vorgesehen in der Inszenierung, für das „raumlaborberlin“ eine markante Ausstellungsarchitektur mit Treppen, Bänken und Gerüsten gebaut hat – zum Verweilen nach Lust und Interesse, falls das erlaubt sein wird. Da sieht man Beuys 1970 im Luchsfellmantel („Transsibirische Eisenbahn“), wie er Bilder im Lousiana Museum Kopenhagen umgekehrt an die Wand nagelt, um endgültig die Malerei zu überwinden, und gegenüber dokumentieren Fotos und Videos eine Politaktion der Amerikanerin Suzanne Lacy 2018 in Irland, wo sie Einwohner mit Worten und gelber Farbe die schicksalhafte Grenze zwischen den Landesteilen reflektieren ließ.

Ein Künstler als Kämpfer

Alles hängt hier mit allem zusammen. Der buddhistische Lehrer und Mönch Thich Nhat Hanh empfiehlt der US-Talkqueen Ophra Winfrey, zum Atmen zurückkehren und „to be in that moment deeply“, tief im Moment zu sein, während sich Beuys um die Ecke bei einem „Boxkampf für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ bei der Documenta 1972 mit Abraham David Christian-Moebuss schlägt. „Ich bin überhaupt kämpferisch“ ist das zugeordnete Zitat. Als Ringrichter agiert übrigens sein Mitstreiter Anatol, jener bärenstarke Künstler, Handwerker und Polizist, der den verehrten Meister ein Jahr später im selbstgeschnitzten Einbaum quer über den Rhein ruderte und noch berühmter machte.

Ein gewaltiges Feld von Zementblöcken, mit bunten Stoffen beflaggt, erinnert an eine Demo für Ungewisses („Street“) und sehr entfernt auch an Basaltsteine, die Beuys verteilt hat. Die Tapisserie der polnischen Konzeptkünstlerin Goshka Macuga zeigt Leute im Kostüm bedrohter Tiere im kahlen Wald, denn Beuys, der sich früh für die Grünen engagierte und sogar für die neue Partei kandidierte, wäre heute gewiss ganz vorn in der Umweltbewegung.

Wie sich die Botschaften ändern

Dabei kannte er noch nichts von den heiklen politischen Korrektheiten der Gegenwart. Heute würden Tierschützer vermutlich ausflippen, weil Beuys ohne Gedöns Pelze trug, dem toten Hasen 1965 in der Galerie Schmela die Kunst erklärte und sich in der New Yorker Galerie von René Block 1974 mit einem sichtlich irritierten Coyoten einschließen ließ. Die Freiheit der Kunst, kommt einem in den Sinn, war damals irgendwie noch freier. Beuys ließ sich bei der Documenta 1977 eine raumreifende Honigpumpe konstruieren, um an diesem sonderbaren Gerät 100 Tage lang über „Erkenntnisgüter“ und die Transformation des Kapitals in Kreativität zu philosophieren. Heute muss die Botschaft eindeutiger sein – wie bei der kindlichen Aktivistin Greta Thunberg, die dem Staatschefs beim Klimagipfel 2019 in New York entgegenschleuderte: „How dare you“, wie könnt ihr es wagen, über Geld und Wirtschaft zu reden, während ganze Ökosysteme kollabieren?

Professor Beuys hingegen machte viel, was kraus und unverständlich wirkte, wenn’s ihm nur passte. Er schwamm 1971 durchs Eindhovener Moor (mit Hut), er knurrte, grunzte und skandierte Unverständliches beim Konzert „Coyote III“ in Tokio 1984 mit Nam June Paik am Flügel. Man sieht den wackligen Film dieses Events mit nostalgischer Freude am . Aber es lohnt sich auch, für ganz andere Beiträge die Corona-Schutzhüllen über die Kopfhörer zu streifen und reinzuhören. Richtigen Spaß macht es, wie die alte Punk-Sängerin und Malerin Patti Smith 2019 in New York mit 250 begeisterten, dicht gedrängten Fans im Chor einen ihren Politsongs schmettert: „People Have the Power“, das Volk hat die Macht. Man möchte mitsingen. Aber das ist ja verboten, wegen der Aerosole. Was würde Beuys wohl dazu sagen?

Wann und wo kann man Beuys sehen?

Die Ausstellung „Jeder Mensch ist ein Künstler – Kosmopolitische Übungen mit Joseph Beuys“ im Düsseldorfer K20 am Grabbeplatz soll bis 15. August zu sehen sein. Der Katalog erscheint im Hatje Cantz Verlag und kostet 48 Euro. Bis Dienstag, 6. April, gibt es verlängerte Öffnungszeiten 10 bis 20 Uhr. Zeitfenster müssen unabhängig vom Ticket einzeln online gebucht werden. Die Sammlung im K20 bleibt leider vorerst ganz geschlossen, ebenso das zweite Haus der Kunstsammlung, K21. Wie es nach Ostern ab Mittwoch, 7. April, weitergeht, steht noch nicht fest. www.kunstsammlung.de

GEDOK: Kunst für Flaneure am Rhein

Keck und kämpferisch: „Die rote Zora“ von Mariele Koschmieder.

Skulptur aus Stoff: der „Kopf“ von Elisabeth Busch-Holitschke.

„Die Erinnernde“ von Johanna Hansen leuchtet zwischen blauen Übermalungen.

Die Düsseldorfer Fotografin Hanne Horn porträtierte ihre Kollegin „Erna“.

„Leichtfüßig“ balanciert das junge Mädchen auf dem Bild von Andrea Temming.

Gewöhnlich gucken Spaziergänger am Altstadtufer lieber auf die Fluten des Rheins als auf die Ufermauer, in deren Nischen nicht viel zu sehen ist außer Müll und Kritzeleien. Jetzt ist das anders. Denn die GEDOK Regionalgruppe A 46 sorgt für eine Kunstschau, die der Pandemie, dem Lockdown und der Verzagtheit trotzt. Fünf Frauen des kreativen Vereins zeigen Lieblingswerke, die auf wetterfeste Planen gedruckt und in fünf Kasematten-Nischen befestigt wurden: „Künstlerinnen für die Zukunft – Eigenwillig im Verbund“.

Die GEDOK hat Tradition: Vor 150 Jahren, 1926, wurde die „Gemeinschaft Deutscher und Oesterrreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ im feinen Hamburg gegründet – von der Sponsorin, Autorin und Frauenrechtlerin Ida Dehmel. Die engagierte Dame der Gesellschaft, 1870 in Bingen als Tochter eines jüdischen Weinhändlers geboren, überlebte die Nazi-Zeit nicht. Um der drohenden Deportation zu entgehen, beging sie 1942 mit 72 Jahren Selbstmord. Doch Ida Dehmel ist nicht vergessen. In ihrem Namen halten die 2750 Künstlerinnen der GEDOK bis heute zusammen und fördern einander – auch in der erst 1996 gegründeten Düsseldorfer Regionalgruppe, die nach der nahen Autobahn A 46 benannt wurde, weil sie über die Stadtgrenzen hinaus agiert.

Gemalte und genähte Wesen

„Wir sind die Farbe auf dem Beton“ heißt es unter anderem im Motto des Vereins. Und entsprechend leuchten die zwei mal zwei Meter großen Drucke in ihren Mauernischen zwischen KIT und der Kasematten-Gastronomie. Alle fünf Bilder zeigen Frauen – sicher kein Zufall. Kuratorin Mariele Koschmieder, die Medizin studierte und in der Malerei ihre Berufung fand, präsentiert ihre eigene „Rote Zora“, Hommage an die wilde Kinderbuchheldin und zugleich eine Symbolfigur für selbstbewusste und kämpferische junge Frauen.

Der „Kopf“ von Elisabeth Busch-Holitschke wirkt riesenhaft, ist aber in Wirklichkeit lebensklein – und weich. Die Keramikerin probiert neue Materialien, formt und näht ihre Plastiken aus Stoffen, zerschneidet dafür Tischdecken, Tücher und Servietten, stickt Gesichter mit hängenden Fäden, macht aus ordentlichen Haushaltstextilien in ein herrlich widerborstiges Wesen.

Gesichter und Geschichten

Auch Johanna Hansen liebt Verwandlungen. Sie übermalte frühe Werke mit freier Geste, um sie sich neu anzueignen. Dabei entstand eine Serie, die sie „Die Göttinnen“ nennt. „Die Erinnernde“ mit ihren blauen, nach innen sehenden Augen, ist eine davon – umflutet von leuchtendem Blau. Man wird magisch von diesem Gesicht angezogen. Daneben mustert uns der misstrauische Blick einer alten Dame: „Erna“, mit Brille und Charakterfalten. Die Fotografin Hanne Horn porträtierte die damals 90-Jährige schon vor zwei Jahrzehnten in deren bescheidenem Holzhäuschen in Mettmann. Erna Sarring fotografierte ebenfalls – hauptsächlich Landschaften und Blumen. Sich selbst hatte sie nie beachtet. Angeblich besaß sie nicht mal einen Spiegel. Als Hanne Horn ihr die schwarz-weißen Porträts vorlegte, war Erna höchst erstaunt: „Ich wusste nicht, wie ich aussehe.“ Jetzt wissen es alle, die vorübergehen. Hallo, Erna!

Und dann ist da noch ein Mädchenbild von Andrea Temming, die gerne junge Menschen zeigt, im Aufbruch, am Scheideweg. Das Mädchen auf dem Bild, von hinten zu sehen, trägt ein rotes Sommerkleid und balanciert ohne Schuhe mit anmutiger Gebärde über ein Gestänge: „Leichtfüßig“. Ganz schön riskant, wie sie da in luftiger Höhe die Kurve. Aber man spürt: Sie wird nicht stürzen, sie wird es schaffen.

Schau an der frischen Luft

Die Ausstellung „Künstlerinnen für die Zukunft – Eigenwillig im Verbund“ ist an den Düsseldorfer Kasematten, Unteres Rheinwerft (Nähe KIT), zu sehen. Ab 30. Mai zeigen fünf weitere Künstlerinnen der GEDOK A 46 ihre Werke an den Kasematten: die Vorsitzende Hilla Hueber sowie Annu Koistinen, Sabine Krueger, Dagmar Reichel, Ingrid Schwarz. Der Verein hofft, bis dahin auch die Originale im Stadtmuseum präsentieren zu können. www.gedok-a46.de

Todernste Heiterkeit: Die Sammlung Philara

Private Kunsthalle: Die Sammlung Philara in einer ehemaligen Glasfabrik.

Spiel mit dem Tod: Timm Ulrichs ließ sich das Augenlid mit „THE END“ tätowieren.

„Versteinerte Texte und Bilder“ – mit einem maliziösen Hinweis auf Timm Ulrichs.

Die Leuchtschrift im Treppenhaus ist ein Werk der Künstlerin Yael Bartana.

Kunstterrasse mit der Stahlskulptur „Rise“ von Thomas Kiesewetter.

Ein bisschen spooky ist es schon, wie diese ganze Zeit. Das schicke Café Lennarz der Sammlung Philara im Flingerner Hinterhof bleibt geschlossen, geselliges Verweilen gehört ja zu den aktuellen Todsünden. Die Aufseherinnen schweigen hinter ihren Masken und verfolgen die Besucher/innen wie diskrete Gespenster. Nicht gerade ein Riesenspaß – und trotzdem eine Inspiration, die das Lebensgefühl hebt. Gil Bronners private Düsseldorfer Kunsthalle, ohnehin ein Ort der Entdeckungen, präsentiert in einer Sonderausstellung den ewig jungen „Totalkünstler“ Timm Ulrichs.

Ende März wird Ulrichs 81 Jahre alt und bleibt ein Schelm, dem es in seinen Konzepten um nichts anderes als das Bewusstsein des Todes geht. Schon vor 40 Jahren ließ sich der Autodidakt, der sein Architekturstudium abgebrochen hatte und gleichwohl Professor für Bildhauerei an der Akademie Münster wurde, das Wort „THE END“ aufs rechte Augenlid tätowieren. Ein wandhohes Foto zeugt von der morbiden Body-Action, hinter einer Urne, die er vor über 50 Jahren mit der „Asche verbrannter Kunstwerke“ füllte.

Immer das letzte Wort

Kein Grund zur Traurigkeit für Ulrichs und sein Publikum. Selbst die Vorstellung, dass das endgültige Tattoo irgendwann zur makabren Pointe wird, wenn er die Augen tatsächlich für immer geschlossen hat, verdient durchaus ein Schmunzeln. So, als behalte der Künstler einfach frech das letzte Wort. Zwischen 99 Fotos von Gedenksteinen mit Fotografien, die er auf französischen Friedhöfen fand, erscheint deshalb auch das Bild eines Marmorblocks mit der maliziösen Aufschrift: „Denken Sie immer daran, mich zu vergessen. Timm Ulrichs!“

Mag sein, dass er in einer Videoarbeit über Jahre nur die Schlussbilder von Spielfilmen gesammelt hat („The End“), letztendlich feiert er mit seinen Ideen doch das Leben. Im Video „Meta-Atem“ verschwindet das Gesicht des Künstlers nur deshalb im Nebel-Nichts, weil sein Atem, Zeichen der Lebendigkeit, eine durchsichtige Scheibe beschlägt. Und es darf ruhig gelacht werden angesichts gerahmter Geldwechselbescheinigungen, die beweisen, dass dem Künstler in der Vor-Euro-Zeit durch konzeptuellen Umtausch von 100 soliden D-Mark in 20 verschiedene Währungen und zurück nur 11,33 Mark übrigblieben: „Das aktualisierte Märchen von Hans im Glück“, scherzt dazu Timm Ulrichs.

Die Antwort auf alle Fragen

„Kommen und Gehen“, so heißt seine schöne Rauminstallation mit Kameras und schwarz auf die Wand gemalten Worten. Und in diesem Sinn schlendert man weiter durch die herrlich erfrischende Sammlung Philara. Gegenüber in der Halle flüstert’s von einem Monitor, der wie der Kopf einer lässig auf der Bank sitzenden Drahtseilfigur aussieht: „Yes, come here, sit next to me“ – nimm doch Platz, lockt eine Frauenstimme. Die Französin Laure Prouvost hat den sprechenden „Metal Yoga Man“ konstruiert. Und sie kann auch ganz anders: An der Wand hängt eine fast neun Meter breite Tapisserie-Arbeit mit einer comic-haften Szene, „Diner Party“.

Der Immobilienentwickler Gil Bronner sammelt, was ihm gefällt, oft auch Kunst jenseits avantgardistischer Trends. Dazu gehören die eleganten Papiercollagen, die der Kölner Johannes Wohnseifer serienweise dem „20. Jahrhundert“ gewidmet hat. In kleineren Räumen der ehemaligen Glasfabrik gibt es weitere Überraschungen. Dabei sind schön schräge Installationen – Anja Clupka aus Zwickau verteilte 94 Boule-Kugeln mit „butterfly effect“ im Raum und schrieb an die Wand eine Art Familienaufstellung: „me / me and my parents / me, my parents and my sister ...“ und so weiter. Nebenan beschwört Sven Johne mit Porträts und Sprüchen aus dem Internet die „Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts“. Zitat aus dem Arrangement: „Wahnsinn. Die Antwort auf alle Fragen.“

Skulpturen auf der Dachterrasse

Wer das zu verrückt findet, der ist vielleicht beeindruckt von einem eigenartigen Waldrand mit Felsbrocken und Lianen, der wirkt wie eine monumentale Schwarz-Weiß-Fotografie. Es handelt sich aber eine meisterhafte Bleistift-Zeichnung des Mexikaners Jorge Méndez Blake. Im Treppenhaus leuchtet unübersehbar eine rote Neonschrift der Israelin Yael Bartana: „And Europe will be stunned“, Europa wird fassungslos sein.

Wir bewahren erst mal die Fassung und steigen die äußerst coole Stahltreppe weiter hoch bis auf die 550 Quadratmeter große Dachterrasse, eine großzügige Plattform für ein halbes Dutzend abstrakter Skulpturen – von einem torartigen „Altar“ des Belgiers Kris Martin bis zum nach oben strebenden Stahlobjekt („Rise“) von Thomas Kiesewetter aus Kassel. Und wenn man nicht wüsste, dass die pittoresk verbauten Miethäuser-Rückseiten im Hintergrund pure Realität sind, könnte man sie auch für Kunst halten.

Was, wann und wo?

Die Düsseldorfer Sammlung Philara zeigt bis zum 16. Mai die Sonderausstellung „Timm Ulrichs: Vorspiel – Nachspiel“. Die private Kunsthalle an der Birkenstraße 47a verlangt keinen Eintritt, begrüßt aber freiwillige Zuwendungen („Pay what you wish“). Geöffnet Do.-So. 14 bis 18 Uhr, Fr. bis 20 Uhr. Es muss allerdings wegen der Pandemie unbedingt ein Zeitfenster gebucht werden: www.philara.de 

Trip ins Unterbewusste: die Stoschek Collection

Drohnenflug: Ein Hongkong-Video des New Yorker Studios WangShui.

Performance in New York: die Künstlerin Klara Lidén in ihrem Video „Grounding“.

Bitte hinhören: Soundinstallation „Hunky Bluff“ von Lina Lapelytė.

Gruselige Clowns in der Finsternis: bewegliches Bild von Mike Kelley.

Untersuchung des menschlichen Gefühls: Video und Wallpaper von Jeremy Shaw.

Der Körper ist in dieser Krise ja ausreichend gefüttert worden. Aber auch der vom Dauerfernsehen erschlaffte Geist braucht seine Nahrung. Mit Begeisterung nutzen die Düsseldorfer die vorsichtigen Öffnungen der Ausstellungshäuser. Die Julia Stoschek Collection (JSC) an der Schanzenstraße hat die mediale Kunst wieder eingeschaltet – und obgleich nichts Populäres dort gezeigt wird, waren die Zeitfenster für das erste Wochenende sofort ausgebucht. Filme und Sound von zwölf Künstler/innen der Collection („JSC on View“) sowie die anspruchsvollen Konzepte des Kanadiers Jeremy Shaw fordern die intelligente Aufmerksamkeit des Publikums. Nur Mut!

Die Chefin Julia Stoschek, Sammlerin „zeitbasierter Medienkunst“ und Profi im Global Play, hat für die neue Präsentation eigens eine aufstrebende Kuratorin aus New York für eine „Forschungs- und Arbeitsresidenz“ nach Düsseldorf eingeladen: Rachel Vera Steinberg. Die junge Expertin konnte coronabedingt jetzt nicht zur Öffnung der Schau kommen, hat aber in der zweisprachigen Ausstellungsbroschüre schwer gescheite Texte hinterlassen: „Die Arbeiten bedienen sich unterschiedlicher kultureller Narrative und vermitteln einen Eindruck davon, in welchem Sinn sie ein Inkubator für soziale Mythologien sein können.“

Auf die innere Reise gehen

Nun, Videokunst wird ja gerne mit einem anstrengenden intellektuellen Überbau geliefert. Dabei arbeitet sie ganz suggestiv mit bewegten Bildern, Stimmen und Geräuschen. Man muss nicht alles verstehen, sondern sich eher darauf einlassen wie auf einen Traum. Schön passt dazu ein Satz aus einem ziemlich poetischen Kunstfilm, den Laure Prouvost 2019 für den französischen Pavillon bei der Biennale von Venedig geschaffen hat: „Wir machen einen Road-Trip durch das Unterbewusstsein.“ Die umgebauten Fabrikräume der Stoschek Collection sind dafür besonders geeignet. Denn dank gläserner Wände und Türen, die den Schall dämpfen, erlauben sie sowohl faszinierende Durchblicke als auch eine Konzentration auf einzelne Werke. Stuhlreihen oder schöne Lederbänke laden zum Platznehmen ein. Und so kann man ganz gemütlich auf die innere Reise gehen.

Erste Station ist Hongkong, wo im Stadtteil Bel-Air luxuriöse Wohntürme nach Feng-Shui-Art gebaut wurden – mit eigenartigen Durchbrüchen für den Flug der imaginären Drachen zum Fluss. Die Stimme eines nicht näher bezeichneten Künstlers vom New Yorker Studio WangShui erzählt von alten Märchen und Traditionen inmitten modernster Architektur. Und lässt uns mit Hilfe einer Drohnenkamera langsam auf die bläulich schimmernden Fassaden zufliegen und durch die Öffnung hinaus ins Freie.

Alles ist Performance

Dahinter erscheint der Engländer Mark Leckey mit seinem Lockenkopf vor einer filmischen „Parade“ aus Werbefiguren in unwirklichen Räumen und führt in einem weiteren Video „Fiorucci made me Hardcore“ mit Archivmaterial in die Tanz-Subkultur der 1970er- bis 90er-Jahre. Eine Zeit, als es die knallharte Genderdiskussion der Gegenwart noch nicht gab. Die in Berlin und USA lebende Skandinavierin Klara Lidén legt Wert auf einen „ambivalent gegenderten“ Körper. Man meint, in ihrem Video „Grounding“ einen jungen Mann zu sehen, der durch den schicken New Yorker Finanzdistrikt spaziert und Passanten irritiert, weil er immer wieder hinfällt, ein Stück weit kriecht, aufsteht und weiterläuft, zu rhythmischer Musik.

Es geht der Künstlerin um die Reaktion auf Hautfarbe und Geschlecht. Als weißer Mann, glaubt sie, bleibt man unbehelligt. Doch ganz abgesehen von der politischen Botschaft zeigt sie eine nahezu tänzerische Performance zu rhythmischer Musik. Man ist fasziniert – genau wie von den knöchellangen roten Haaren, die eine feenhafte Schauspielerin in Mika Rottenbergs Video „Chasing Waterfalls“ vor den Niagara-Fällen flattern lässt. Das Spiel geht weiter mit den grotesk verkleideten, ziemlich sadistischen Clowns in einem Video des 2012 verstorbenen Mike Kelley. Dagegen ist die Dokumentation über einen queeren Club in Los Angeles von Wu Tsang („Wildness“) schon richtig seriös.

Gefühle der Vergangenheit

Manche Werke kommen auch ohne Bild aus – wie die Soundinstallation „Hunky Bluff“ von Lina Lapelytė. In einem langen Flur kann man unter Klangglocken die Aufzeichnung einer Opernperformance aus London hören und sich optisch ein bisschen erholen, bevor man in die obere Etage zur Ausstellung von Jeremy Shaw geht: „Quantification Trilogy“. Der in Berlin lebende Kanadier hat so etwas wie eine Zukunftswelt konzipiert, in der eine vollkommen rational agierende Menschheit die Gefühlsausbrüche der Vergangenheit wissenschaftlich untersucht. In altmodisch anmutenden Filmen, auf großen Wallpapers und auf Fotos unter Prismenglas sieht man Menschen tanzen, beten, wirres Zeug erzählen.

Die vom Haus gelieferten Erklärungen sind leider ebenfalls wirr und wahnsinnig kompliziert. Es empfiehlt sich, die Ästhetik der Installation einfach auf sich wirken zu lassen und eigene Assoziationen zuzulassen. Es riecht nach neuem Teppich. Perfektionist Shaw hat sogar die Auslegeware für sein Arrangement ausgesucht. Zum Abschluss kann man noch ins Kellerkino gehen und dort elf Minuten lang unverwandt dem alten Kunstguru Joseph Beuys (1921-1986) in die gelegentlich blinzelnden Augen schauen. Der Filmer Lutz Mommartz würdigte mit dem lebenden Standbild 1969 die Beuys’sche Idee von der „Sozialen Plastik“. Ein Düsseldorfer Klassiker.

Wann, wo und wie?

Die neue Präsentation der Stoschek Collection „JSC on View: Mythologists“, die „Quantification Trilogy“ von Jeremy Shaw sowie der Beuys-Film „Soziale Plastik“ von Lutz Mommartz können bis zum 19. Dezember 2021 jeweils an den Wochenenden besucht werden. Der Eintritt ist frei, es müssen allerdings Zeitfenster gebucht werden. Auf der Website www.jsc.art gibt es auch Zugang zu einem virtuellen Bestandskatalog von zahlreichen Video-Werken aus der Sammlung Stoschek.

Dem Licht entgegen: Mack im Kunstpalast

Leibhaftig im Museum: Man kann Zeitfenster für die Mack-Ausstellung buchen.

Hohe Eleganz: Skulpturen aus den 1950er-Jahren und die "Artistin" (links) von 2007.

Glitzernde Verheißung: Stelen und Wandobjekte aus der ZERO-Zeit von Heinz Mack.

Heinz Mack und Kuratorin Heike van den Valentyn in der Sahara-Installation.

Das große Leuchten: Macks „Ikonostasis für Lichtfarben“ von 2007.

Der Schönheit zu huldigen, ist leider unmodern. Wie man nicht nur in der Düsseldorfer Aufregerschau „Empört Euch!“ sehen konnte, quält sich die neue Kunst in ihren politisch korrekten Konzepten mit gesellschaftlichen Problemen ab. Dabei sehnt sich der Mensch gerade jetzt, nach einem Jahr der Seuche, der Ängste und des Gezänks, nach geistiger Erholung. Stille, Licht, Abstraktion – das braucht die Welt wie vor über 60 Jahren, als ein paar junge Künstler in Düsseldorf zum Nullpunkt zurückgingen und den Schrecken der Vergangenheit sowie dem Chaos der Gegenwart die Idee von ZERO entgegensetzten. Führender Kopf war Heinz Mack, der seinen 90. Geburtstag feiert – mit einer wunderbaren, befreienden Ausstellung im Kunstpalast.

Die Inzidenz lässt uns gnädig etwas Luft holen. Wer ein Zeitfenster bucht, darf ab Mittwoch, 10. März, leibhaftig die Hallen am Ehrenhof besuchen. Und das Gefühl genießen, selbst vor Kunst zu stehen und sich durch Räume zu bewegen, die so lange nur eine flache Wahrnehmung auf Monitoren waren. Wie schön, dass die sinnliche Erfahrung, die Heinz Mack uns schenkt, die alltäglichen Realitäten hinter sich lässt. Mit gegenstandsloser Ordnung, glühenden Farben, Glanz und Schatten erzeugt der Künstler eine meditative Leichtigkeit, eine Klarheit und zugleich ein Kraftfeld für den erschöpften Geist.

Einfachheit erzeugt Energie

„Ich habe immer die Einfachheit gesucht“, so wird Mack im Katalog von Matthieu Poirier zitiert: „Denn die Welt ist angefüllt mit Bildern, die Verwirrung stiften. Aber diese Einfachheit ist nicht gleichzusetzen mit Verarmung – sie erzeugt Energie.“ Und von Energie versteht er was: Heinz Mack, der in Mönchengladbach und auf Ibiza lebt, schnelle Autos und grandiose Aktionen liebt und bis heute jeden Tag ins Atelier geht, ein Nimmermüder.

Die Schau geht zurück an den Anfang, in die Mitte der 1940er-Jahre, als Nazi-Terror und Krieg die Moral und ganz Europa verwüstet hatten. Da lieh sich der weizenblonde Heinz, gerade mal 14 Jahre alt, die Leica von seinem Onkel Albert, zog hinaus auf die Felder vor seinem hessischen Geburtsort Lollar und fotografierte die strengen Linien, die er beim Spazierengehen fand. Man steht staunend vor den Zeugnissen einer frühreifen künstlerischen Erkenntnis, die den Jungen wegführte von dem verlogenen Pathos jener katastrophalen Epoche, die zu Ende ging. Ackerfurchen in Reih und Glied, dürre Fichtenstämme, leicht verschneites Heu mit einzeln erkennbaren Halmen. Aus solchen Vorbildern schuf er ein Jahrzehnt später große stilisierte Holzskulpturen, die er „Das hohe Gras“ oder „Großes Wiesenstück“ nannte – eine Verneigung vor der Natur.

Rhythmus von Natur und Musik

Als die fein polierten Stücke entstanden, hatte der junge Mack bereits ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie absolviert und studierte noch Philosophie in Köln, um schließlich sein ordentliches Examen als Kunsterzieher zu machen. Doch im Rückblick geht es um die künstlerische Freiheit, die er auslebte, nachdem er 1955 mit seinem Freund und Kommilitonen Otto Piene ein Atelier an der Gladbacher Straße bezog. Kuratorin Heike van den Valentyn hat interessante Stücke aus dem Frühwerk herausgesucht, die allesamt inspiriert sind von Natur und auch von Musik. Mack spielt so gut Klavier, dass er zeitweise Pianist werden wollte. Man kann den Rhythmus einiger Werke aus den 1950er-Jahren durchaus als optische Musik betrachten: ein „Schwarzes Relief“ mit Tastenstruktur, eine „Lamellen-Skulptur mit acht Sägeblättern“.

Wie von selbst ergaben sich Experimente mit beweglichen Elementen. Ein „Weißer Rotor“ mit kristallinen Faltungen dreht sich hinter Wellenglas vor durchscheinendem Licht (1958). Piene und Mack hatten ZERO erfunden und proklamierten: „Zero ist der Anfang ... Zero fließt ... Schweigend. Schwebend.“ Neben einem glitzernden Wäldchen von Lichtstelen aus Acrylglas und Aluminium drehen sich silberne Scheiben und Stäbe in einem schwerelosen „Rondo“ (1963) und zaubern ein Schattenspiel auf die Wände, angetrieben von versteckten, lautlosen Elektromotoren.

Wo die Silbersegel glitzern

„Zero Zero Regenbogen ... Gold und Silber, Schall und Rauch Wanderzirkus Zero“: Obgleich sich die Gruppe, zu der später auch Günther Uecker stieß, nach der Documenta 1964 wegen auseinanderstrebender Entwicklungen langsam auflöste, blieb Mack immer ein Meister des Zero-Gedankens. Er ließ Lichtreliefs glitzern, „Dynamische Strukturen“ leuchten, baute Reflektorwände für die Ballettbühne und hisste silberne Stahlsegel für einen Brunnen mitten in Düsseldorf.

Aber er wollte auch hinaus aus den Städten, wollte Himmel, Erde und Meere feiern auf seine Art. Der 1968 gedrehte Film „Tele-Mack“ zeigt ihn in voller Aktion, wie er im offenen Sportwagen dahinsaust (damals noch ein unschuldiges Vergnügen) und silberne Scheiben auf dem Rücken ins sonnenglitzernde Wasser trägt. Auch in der Sahara, davon träumte er schon 1959, ließ Mack seine Kunst leuchten. Bei einer Expedition nach Algerien im März 1976 machte Stern-Fotograf Thomas Höpker einige spektakuläre Aufnahmen. Ein wandhohes Foto zeigt den Künstler im Silberanzug, wie er zwischen goldbraunen Sandhügeln steht und eine glänzende Folie wie eine Fahne in den Wind hält. In der Wüste, sagt er, sei „die Landschaft so stark, dass ich sie nicht überwinden, sondern vielmehr spiegeln muss“.

Was der Wind zeichnet

Auch der Wind zeichnet mustergültig – Mack würdigte das mit einigen Sandreliefs. Deren warme Farbe weicht einem kühlen Blau/Türkis, denn der nächste Teil der Ausstellung führt uns in die Arktis, wo Mack im Juni 1976 seine Objekte auf Eis stellte, dazu Pyramiden und ein Feuerfloß schwimmen ließ. „Ob Eiswüste oder Dünenmeer – die Reinheit und Grenzenlosigkeit des Raums ist identisch“, äußerte er dazu. Man kann es sich vorstellen: Mit gebogenen Wänden und Folientapeten erzeugt die kreativ gebaute Ausstellung eine Illusion von Kunst-Natur-Erlebnis.

Der „Epilog“ schließlich zeigt, dass Heinz Mack im Alter nichts von seiner Kraft verloren hat. In der Mitte schimmert ein Edelstahlsegel, in dem sich Bilder spiegeln, deren Farbfelder nur so leuchten. Mack nennt das nüchtern „Chromatische Konstellationen“, gibt aber einem der Bilder den Obertitel „Ikonostasis“ nach jener mit Ikonen geschmückten Wand, die in griechisch-orthodoxen Gemeinden den Altarraum vom inneren Kirchenschiff trennt. Mack kennt keine figürlichen Kultbilder. Er schuf eine abstrakte Offenbarung, Farbe und Licht sind sein Gebet. Und das Publikum darf sich ruhig andächtig fühlen.

Das Museum öffnet sich

„Endlich wieder Kunst“ ist die Parole am Ehrenhof. Die Ausstellung zum 90. Geburtstag von Heinz Mack ist bis 30. Mai im Düsseldorfer Kunstpalast am Ehrenhof 4-5 zu sehen. Geöffnet unter Corona-Bedingungen Di.-So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Aber man darf sich nicht einfach in die Warteschlange stellen, sondern muss online ein Zeitfenster buchen. Die Reservierung ist freigeschaltet, kann aber gelegentlich überlastet sein: www.kunstpalast.de

Romantisch gucken: Caspar David Friedrich und seine Rivalen

Blickachse von Caspar David Friedrichs „Lebensstufen“ (vorne) zum „Wetterhorn“ von Johann Wilhelm Schirmer.

Goldgerahmte Konzentration: „Caspar David Friedrich im Atelier“, 1812 vom Kollegen Kersting gemalt.

Neben dem monumentalen „Seesturm an der norwegischen Küste“ von Andreas Achenbach treibt das „Segelschiff“ von Caspar David Friedrich.

Klein und magisch: „Friedhof im Winter“ und „Friedhofstor“ von Caspar David Friedrich.

Zwei Schätze aus dem Werk von Caspar David Friedrich: „Der Chasseur im Walde“ (1813) und der „Ostermorgen (um 1830).

Der Zeitgeist kann gemein sein. Ständig ändert sich sein Geschmack, und was vordem als wertvoll galt, wird verachtet. Auch Caspar David Friedrich (1774-1840), Sohn eines frommen Seifensieders aus Greifswald und der Inbegriff der deutschen Romantik, musste nach anfänglichen Erfolgen erleben, dass er vom Kunst-Blatt kritisiert wurde, weil er immer tiefer „in den dicken Nebel der Mystik“ geriet. Viel beliebter als seine melancholischen Kleinformate waren die spektakulären Landschaften und Seestücke der Düsseldorfer Malerschule. Beides kann man jetzt im Kunstpalast auf sich wirken lassen. Eine wunderbare Ausstellung, die der bedrückten Seele in diesem Corona-Winter nur Gutes tut!

Der vorherrschende Dichter und Denker Goethe, von allen bewundert, war sehr ungnädig mit den neuen Malern, die man später unter dem Begriff Romantik einordnete. Über Carl Friedrich Lessings „Klosterhof im Schnee“ und ähnliche „Negationen“ spottete er: „Was ist das für eine frostige Jugend ...!“ Was er sich wünschte, waren Bilder voller „Leben und Bewegung“. Schließlich fröre er nicht gerne draußen, warum, so Goethe, „soll ich mich denn in der Stube erkälten?“ Bei allem Respekt, das sehen wir heute anders.

Die Natur als neue Kirche

In den zentral geheizten Räumen der Gegenwart versetzt sich der Geist mit Begeisterung an einen verschneiten Waldesrand, wo die Spitzen der Fichten mit einem aus dem Nebel ragenden gotischen Turm harmonieren wie in Caspar David Friedrichs „Winterlandschaft mit Kirche“ von 1811. „Die Natur“, schreibt der Leipziger Co-Kurator Jan Nicolaisen im Katalog, „wird gleichsam zum Andachts- und Stimmungsraum für den Trost und Erbauung suchenden Menschen“. Danke, genau das brauchen wir gerade! Friedrich, ergänzt Nicolaisen bei der Vorbesichtigung, „sieht die Natur als neue Kirche“.

Auf dem „Gipfel des Gebirges“, schrieb sein Freund und Kollege Carl Gustav Carus um 1820, erfahre das ganze Wesen eine Läuterung: „Dein Ich verschwindet, Du bist nichts, Gott ist alles.“ Die einzelnen Figuren auf Friedrichs Gemälden spielen keine individuelle Rolle. Sie stehen und schauen in eine Ferne, die sie demütig werden lässt. Dabei bevorzugte Friedrich die „Dämmerungszustände“, wenn der Himmel sich verdunkelt oder die aufgehende Sonne den Horizont vergoldet wie im „Riesengebirge“, das der Maler 1810 zeichnend durchwanderte. Noch 20 Jahre später würdigte er es in einem vollkommen ruhigen Bild, das mit braun-blauen Bergen unter einem glühenden Himmel die Schöpfung feiert.

Der alte Mann und das Meer

Zu der Zeit, um 1830, musste Familienvater Friedrich sich bereits gefallen lassen, dass man ihm Monotonie vorwarf und die Kunden absprangen. Aber, so Nicolaisen, „er ließ sich nicht beirren“. Bis zuletzt blieb er seinem Stil treu, wie man an den „Lebensstufen“ von 1834/35 sieht. Der alte Mann am Stock, der auf ein dämmriges Meer voller Segelschiffe blickt, während ein paar Kinder (die seinen?) am Ufer spielen, ist vermutlich ein Selbstporträt, wenn man ihn auch nur von hinten sieht. Das Bild aus der Sammlung des Leipziger Museums der bildenden Künste gehört zu den bekanntesten Werken in der Ausstellung, die über 60 Originalgemälde und Zeichnungen Friedrichs versammelt – und mit der Konkurrenz zusammenbringt. Man erkennt sofort, was da geschehen war: Die Bilder der damals neuen Düsseldorfer Generation machen einfach mehr her. Sie bieten Action und repräsentative Formate. Es ist, sagt Kunstpalast-Direktor Felix Krämer, als träfe „der Autorenfilm auf Hollywood“.

Entsprechend haben Nicolaisen und seine Düsseldorfer Kollegin Bettina Baumgärtel die Schau arrangiert. Man erkennt die Unterschiede sofort. Während der pommersche Einzelgänger „CDF“ mit seinem blonden Backenbart auf einem 1812 entstandenen Bild von Georg Friedrich Kersting allein und versonnen im Atelier arbeitet, geht’s in der Düsseldorfer „Atelierszene“ von Johann Peter Hasenclever rheinisch-gesellig zu. Hasenclever war es auch, der 1846 eine „Sentimentale“ mit sexy verrutschter Bluse ans nächtliche Fenster setzt, nachdem Friedrich 1822 seine zart-züchtige „Frau am Fenster“ einfach nur still hinaussehen ließ.

Wo die Wolken ziehen

Die beiden Bilder befinden sich am Anfang und am Ende des Rundgangs, der die wichtige Malerei des frühen 19. Jahrhunderts unaufgeregt vergleicht. Da treibt ein kleines dunkles „Segelschiff“ von Friedrich (um 1815) friedvoll über dunkles Wasser, und auf einem monumentalen „Seesturm an der norwegischen Küste“ von Andreas Achenbach spielen schäumende Wellen an felsiger Küste mit einem zertrümmerten Boot. Fast raumhoch ragt „Das Wetterhorn“ von Johann Wilhelm Schirmer (1838), während Friedrichs Miniatur „Ziehende Wolken über dem Riesengebirge“ (1820) über jedem Kommödchen Platz finden würde.

Und doch sind es gerade diese kleinen Offenbarungen von Caspar David Friedrich, die den Betrachter besonders faszinieren: der „Friedhof im Schnee“ neben dem „Friedhofstor“ (beide um 1826), der „Ostermorgen“ (um 1830) aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza in Madrid oder eine der feinen Zeichnungen wie die 1810 entstandene „Studie eines Astes einer Linde“ aus der Sammlung des Nationalmuseums Oslo. Unter erschwerten Corona-Bedingungen sind viele der Schätze nach Düsseldorf gekommen, einige Werke mussten an Grenzen übergeben werden, weil ein Einreisen nicht möglich war. Wir werden noch länger mit Ängsten und Einschränkungen leben müssen. Umso schöner ist es, wenn die Kunst den Geist frei schweifen lässt!

Was, wann und wo?

„Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker“: verlängert bis 24. Mai 2021 im Kunstpalast Düsseldorf, Ehrenhof 4-5. Di.-So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Eintritt: 14 Euro. Ein außergewöhnlich schön bebilderter und gut zu lesender Katalog (u. a. mit einem Essay von Florian Illies) ist im Sandstein Verlag erschienen und kostet im Museum 29,80 Euro. www.kunstpalast.de

Schwerelos: Alicja Kwade in der Langen Foundation

Über dem Wasser: Alicja Kwades „MatterMotion“ an der Langen Foundation.

Skulpturenfeld: „Die bewegte Leere des Moments“.

Freitreppe wird zur begehbaren Skulptur: „Die Menge des Moments“.

Durch Spiegelungen verändern sich die Dinge in Alicja Kwades Installationen.

Spielen erlaubt: Auch im Außenbereich sind ein paar Objekte zu entdecken.

Das Schöne ist nicht oft zu finden in der aktuellen akademischen Kunst des Westens. Zu groß ist die Angst vor Kitsch. Als wäre die Schönheit immer ein bisschen blöd. Dabei kann sie eine so kluge, raffinierte Zauberin sein. Das beweist die Bildhauerin Alicja Kwade mit ihrer Ausstellung „Kausalkonsequenz“ in der Langen Foundation auf dem Gelände der ehemaligen Nato-Raketenstation bei Neuss. In diesem Herbst und Winter ist krisengenervten Düsseldorfern ein Ausflug zu dieser becircenden Kunst nur zu empfehlen.

Die Kirschen auf dem Weg zum Eingang der von Tadao Ando ins Grüne gesetzte Langen-Kunsthalle blühen erst im Frühling wieder. Aber dafür ist der Blick frei auf ein verblüffendes Objekt. Über dem Teich vor der Glasfassade schweben drei große Felsbrocken an vier über fünf Meter hohen Rahmen aus grau gepudertem Stahl. Das Gewaltige scheint schwerelos. So arbeitet Alicja Kwade (41), eine kecke Berlinerin polnischer Herkunft. Sie verwandelt die Dinge mit geistiger Power und statischer Tüftelei. Damit ist sie so erfolgreich, dass Max Hollein sie nach einer Installation in der Frankfurter Schirn nach New York geholt hat, wo sie im letzten Jahr den Dachgarten des Metropolitan Museum of Art gestalten durfte.

Befragung der Welt

„Man leiht sich den Ort, an dem man baut, nur von der Natur aus“, so zitiert Magdalena Kröner im Begleitheft der Ausstellung den Architekten Tadao Ando. Den Respekt, der daraus spricht, spürt man auch in den Arbeiten der Künstlerin, die natürliche Materialien benutzt, um sie in neue Formen einzufügen. Steine sind bei ihrer „Befragung der Welt“ ganz wichtig als Symbole für Erde und Materie. Einen davon lässt sie in der Installation „Die bewegte Leere des Moments“ an einem an der Decke befestigten Stahlseil immer rundherum schweben, umkreist von einer Uhr, dem Symbol für Antimaterie, für Vergänglichkeit, der alles untergeordnet ist. Im begehbaren Raum darunter stehen leere Rahmen, große Spiegel, feste Stelen, gestaltete Säulen, ein paar Stufen, die nirgendwo hin führen. Einladung zum Spaziergang des Geistes ...

Weiter geht es durch eine Tür hinaus auf eine große Freitreppe, gespickt mit Sandstein-Kugeln, die von oben nach unten kleiner werden – wie Ansichten einer einzigen Kugel, die diese Stufen hinunterspringt. „Die Menge des Moments“ heißt die Installation, so, als habe die Künstlerin die Zeit angehalten und einen kurzen hektischen Vorgang in lauter stille Elemente zerlegt. Auch die „88 seconds“, eine Reihe von ineinander verschlungen Stahlkreisen, ist aus einzelnen Filmbildern eines zu Boden wirbelnden Reifens entstanden.

Die Sprache der Dinge

Aber zu viele Worte stören das Erlebnis. „Die Dinge sollen aus sich sprechen“, sagt die Künstlerin. Und das tun sie auch mit überraschenden Effekten. Handgroße Steine schweben wie Wasserpflanzen in einem Turm aus transparenten Acryl-Kuben („Silent Matter“). Zweige aus Bronze wachsen aus silbrig glänzenden Stahlstämmen („Reality Slot“). Transformation ist immer wieder ein Thema für Alicja Kwade, ein ganzes Team hilft ihr bei der Verwirklichung komplizierter Entwürfe. Durch geschicktes Spiegelspiel verwandeln sich im Vorübergehen raue Findlinge in Stahlobjekte, kunstvolle Kugeln, glänzende Schalen. In einen Baumstamm wurde ein Hocker geschnitzt, aber noch nicht ausgelöst. Ein ulkiges Zwischending steht da vor unseren Augen, löst ein Schmunzeln aus und zugleich einen flüchtiges Nachdenken über die Entstehung der Zivilisation aus der Zerstörung der natürlichen Struktur.

Ja, Alicja Kwade legt Wert auf ihren philosophischen Anspruch und denkt sich schwer verständliche Titel aus. Aber was sie uns zeigt, ist vor allem die perfekte künstlerische Form – selten genug in den Schaffensprozessen der Gegenwart. Ihre Objekte und Installationen haben Kraft und Anmut, Humor und Tiefe, und sie passen perfekt in Tadao Andos transparenten Tempel der Moderne.

Was, wann und wo?

„Alicja Kwade: Kausalkonsequenz“: verlängert bis 8. August 2021 in der Langen Foundation in Neuss, Raketenstation Hombroich 1. Geöffnet Di.-So. 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 8 Euro. In den Innenräumen herrscht Maskenpflicht. Am Wochenende (Freitag-Sonntag) ist das Café Biemel auf dem Gelände der Raketenstation von 12 bis 18 Uhr geöffnet. www.langenfoundation.de

Hammer der Poesie: Uecker bei Goethe

Der maskierte Günther Uecker vor seinem Grafik-Zyklus „Huldigung an Hafez“.

Poesie und Farbe vereinen sich in Ueckers Grafik-Zyklus.

Kuratorin Barbara Steingießer zeigt genagelte Druckplatten für Prägedrucke.

Corona-Look: Der Künstler im Garten des Goethe-Museums.

Im ersten Stock: Ueckers großes Objekt „Trommeln“.

Während die Kunstsammlung NRW und die städtische Kunsthalle vorwiegend spröde Konzepte verfolgen, macht uns das kleine, vernachlässigte Goethe-Museum wieder einmal glücklich mit einer lyrisch-malerischen Ausstellung von einem der wirklich großen Düsseldorfer Künstler. Nach Heinz Mack 2018 huldigt nun Günther Uecker im Schloss Jägerhof dem Geist der Poesie und zeigt Werke, die der Schönheit des Wortes gewidmet sind. Wie einst Goethe liebt Uecker besonders die Verse des altpersischen Dichters Hafis (auch Hãfez, 1315-1319), ihm widmete er ein farbenglühendes Mappenwerk. Man kann davon nur schwärmen.

Gewiss, die derzeitigen Lebensbedingungen machen Begegnungen nicht leicht. In den engen Sälen des Schlösschens wird streng auf Abstand und Hygiene geachtet. Nur kleine Gruppen dürfen eintreten. Zur Pressekonferenz mit dem Künstler mussten die frisch desinfizierten Medienleute bei strömendem Regen in den lückenhaft beschirmten Garten gehen. Es war äußerst ungemütlich, aber der 90-jährige Uecker selbst ließ sich davon nicht irritieren. Er zog sogar kurz die Maske ab und zeigte sein altes Uecker-Lächeln, zuvor zitierte er einen seiner Lieblingsverse von Hafis: „Den Glanz deiner Schönheit entfachte das Licht in der Ewigkeit. Die Liebe entstand und setzte in Flammen die Welt.“ Seufz ...

 Wie Spuren im Schnee

Die Welt kennt Uecker als kernigen Kerl, der Eisennägel einschlägt und daraus markante Objekte macht. Aber die kraftvolle Geste war bei ihm immer mit sensiblen Ideen verbunden. Wie ein Kornfeld, vom Wind sanft bewegt, so wirken manche Nagelfelder. „Die Poesie wird mit dem Hammer gemacht“, so zitiert er gern den russischen Futuristen Wladimir Majakowski. Die weißen Prägedrucke, die er von Nagelreliefs zieht, sind, so Kuratorin Barbara Steingießer, „so zart wie Spuren im Schnee“. Aber Uecker schwelgt auch in Farbe. Die 31 Siebdrucke aus der Grafik-Edition „Huldigung an Hafiz“ verbinden das Wort des Dichters mit blühenden, glühenden Zeichen, die an Blätter, Blumen, Sonnenschein erinnern.

Sie sind auch, wie Uecker es nennt, „geschriebene Bilder“. Denn seine Schreibschrift, groß und schwungvoll, ist einer Zeichnung gleich. Er setzt sie schwarz auf seine Farben, und es ist, als sei die uralte Poesie des Persers Hafis direkt aus Ueckers Hand geflossen: „Vor Einsamkeit stirbt fast das Herz mir“, so klagt es da auf einem gelben Züngeln. Und über rosafarbenen Fantasieblüten heißt es: „Oh, du meine duftende Rose sollst nicht deine Nachtigall quälen ...“ Uecker kann nicht genug bekommen von den Versen eines „wundersamen Dichters“, den schon Goethe, wie Museumsdirektor Christof Wingertszahn bemerkt, als „lieblichen Lebensbegleiter“ bezeichnet hat.

Auf dem West-Östlichen Divan

So passen literarische Schätze des Hauses auf innige Weise zu Ueckers Werk. In den Vitrinen des ersten Stocks liegen Handschriften Goethes, darunter das mit zwei gepressten Blättern versehene Gedicht an den „Ginkgo biloba“. Und da ist eine 1819 erschienene Erstausgabe seiner berühmten, von Hafis inspirierten Lyrik-Sammlung „West-Östlicher Divan“, ein Geschenkexemplar für Goethes Kölner Freund Boisserée mit handkoloriertem Kupferstich auf der Titelseite.

Auch Günther Uecker besitzt kostbare Bücher – unter anderem aus Persien. Für ihn ist Poesie ein Quell seiner Schöpfungskraft. „Sobald ich lese, muss ich auch malen“, sagt er. Oder witzige Objekte erfinden, die mit dem Sujet spielen wie ein „Scharfes Buch“, dessen Seiten mit Rasierklingen gekennzeichnet sind, das mit einem roten Kissen zusammengenagelte „Kissenbuch“ oder ein zum „e“ gebogener Nagel als „Buch-stab-e“.

 Das verborgene Wort

Oft geht es dem Künstler ganz ernsthaft um das verborgene oder unverstandene Wort. Das zugenagelte „Bleibuch“ bewahrt sein Geheimnis. Schon 1974 entstand die Idee einer raumfüllenden Skulptur „Zum Schweigen der Schrift“. Von vier großen, in einem Gerüst befestigten Rollen („Trommeln“) hängen Stoff- oder Papierbahnen, die mit unkenntlichen Zeichen bedeckt sind. Uecker hatte damals auf einer Reise in Laos versucht, die ihm unbekannte Schrift zeichnerisch nachzuvollziehen. „Das Befremdende, das möchte ich ergründen“, so wird er zitiert.

Seine „Huldigung an Hafez“ blieb übrigens im Orient nicht unbemerkt. Im Gegenteil: Kunstinteressierte Iraner lieben das Grafikwerk. Uecker hat die großen malerischen Blätter mittlerweile nicht nur in der Hauptstadt Teheran, sondern auch an sieben anderen Orten ausstellen können, zuletzt auf der Insel Kisch, von wo er erst im Februar kurz vor dem Ausbruch der Pandemie zurückkehrte. Jede Ausstellung wurde von Werken örtlicher Künstler ergänzt, die ihr Werk nun in der Düsseldorfer Galerie Breckner zeigen. Obgleich sie wegen Corona trotz Visa nicht einreisen konnten, soll der west-östliche Dialog nicht abreißen. Denn, so schrieb schon der große Hafis: „Durch das Feuer der Worte kann man spüren des Herzens Flammenglut.“

Was, wann und wo:

„Uecker – Hafis – Goethe: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“. Die Ausstellung mit wortbezogenen Werken von Günther Uecker ist verlängert worden und soll nach dem laufenden Umbau des Hauses ab Mai 2021 wieder zu sehen sein. Schloss Jägerhof, Jacobistr. 2. Geöffnet Di.-Fr. und So. 11 bis 17 Uhr, Sa. 13 bis 17 Uhr. Eintritt: 4 Euro. www.goethe-museum.com