Im Wortgewimmel

Wir leben nicht in sprachlosen Zeiten. Seit das neunmalkluge Internet auch die hintersten Winkel des Planeten eingefangen hat, kann theoretisch jeder mit jedem zu jeder Zeit kommunizieren. Obgleich das gedruckte Wort an Bedeutung verliert, werden mehr Texte in die Welt gesetzt als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Nichts bleibt verborgen – falls man es aufspüren kann im Gewimmel des Netzes.

Die Technik überschwemmt uns tagtäglich nicht nur mit einer Bilderflut, sondern auch mit einem hemmungslosen Geschwätz. Dreiste und dumme Behauptungen werden ebenso multipliziert wie die Worte der Weisen. Keiner von uns ist vor Wiederholungen, Irrtümern und Banalitäten gefeit. Aber man kann sich bemühen, im Meer der Beliebigkeit kleine Inseln der Individualität und Originalität zu schaffen. Es kommt nicht darauf an, was man sagen will, sondern wie.

Als Kulturjournalistin bemühe ich mich schon mein Leben lang, auch schwierige Dinge klar auszudrücken, das Einfache nicht zu verachten, Haltung zu zeigen und die Langeweile zu vermeiden. Schreiben, lesen, Texte verständlicher machen – das ist die Leistung, die ich anzubieten habe.